Vereinsgeschichte

 

Fangen wir ganz von vorne an.

 

Es gab im 18. Jahrhundert Rechtler, die sich auf den Markgrafen Alexander beriefen, genauer auf ein „Regulativ vom 15.11.1785“. Dort steht „Jeder Gemeindegenoß hat ein Los und muß dies auch pflegen.“

 

Um 1830-40 wurden diese Rechtler dann veranlasst „ die freien Ödländer“ mit Obstbäumen zu bepflanzen.1887 wurde das schon wieder auf 10 Bäume pro Los begrenzt. Da die Bäume nun auf Gemeindeland standen, musste bei jeder Änderung die Gemeinde zustimmen, mit Vorkaufsrecht und Androhung von Strafe.

Markgraf Alexander (1736-1806)

Der Winter in den Jahren 1879/80 war sehr streng und schneereich. Es sind tausende wertvoller Bäume erfroren oder einfach abgebrochen. Im darauf folgenden sehr heißen Sommer 1880 ist ein Großteil der restlichen Bäume vertrocknet.

 

In dieser Zeit fasste nun der Pfarrer Eyrich aus Lipprichhausen den Plan, die Lücken wieder zu bepflanzen. Da er das alleine nicht konnte, gründete er eine Baumschule und hielt Vorträge und Lehrabende in der ganzen Umgebung. Aus dieser Bewegung heraus entstanden viele Vereine, dann der Bezirksverband, bis dann am 20. November 1894 der Bayerische Landesverband aus der Taufe gehoben wurde. Auf sein Engagement geht auch die Obstbauarbeit an den Triesdorfer Lehranstalten zurück.

Auch in Burgbernheim taten sich Interessengruppen zusammen. Im Juli 1880 gründeten sie den „Zeitler- und Obstbauverein“. Die heutigen Imker wurden früher Zeitler genannt. Der Verein hatte schon bei der Gründung 60 Mitglieder. Vorstand war der damalige Bürgermeister Fluhrer. Das Ziel war, über Obst und Honig den damaligen Bauern einen Zuerwerb zu verschaffen. Selbst der Verein hatte damals eigene Bienenvölker. Nun wurden auch größere Obstanpflanzungen vorgenommen. Erste Obstleistungsschauen wurden auch in Burgbernheim abgehalten und waren gut besucht.

Der 1. Weltkrieg brachte das Vereinsleben fast zum Erliegen. Erst in den späten 20ern zog wieder Leben ein. Es wurde eine Dosenverschlussmaschine und eine Motorspritze gekauft – und das was wir heute noch haben, den Prösselbuck. Dieser wurde 1930 gepachtet und mit 300 Kirschbäumen bepflanzt. Weiter wurde 1934 eine hydraulische Mostpresse gekauft. Der Verein wuchs und hatte mittlerweile 155 Mitglieder.

Satzung von 1880

1933 zog Georg Ries nach Burgbernheim und legte sich einen prächtigen Obstgarten mit Bienenstand an. Er war ein gelehriger Schüler von Pfarrer Eyrich. Dieser begeisterte Ries für den Obstbau und übergab ihm kurz vor seinem Tod seinen obstbaulichen Nachlass. Ries war Studienrat an der Kreisackerbauschule und der Kreishaushaltungsschule in Triesdorf. Er war schriftstellerisch tätig, hat u.a. heimatliche Sagen und die Geschichte Triesdorfs niedergeschrieben. Zudem hat er Volkslieder gesammelt und Gedichte geschrieben. Er war politisch aktiv und bis 1933 Kreisverbands-vorsitzender des mittelfränkischen Obstbauverbandes, bis er von den Nationalsozialisten, denen er ablehnend gegenüberstand, aus dem Amt gedrängt wurde. 1934 gab er "nach vielen Schikanen" auch seine Lehrtätigkeit in Triesdorf auf.

 

Zu dieser Zeit wurden in Burgbernheim 28 000 Obstbäume gezählt.

Georg Ries an seinem Bienenstand

Am 31.1.1935 wurde eine Abgabenordnung festgelegt, die aussagt, dass alle Obstbäume auf Gemeindeland einer Abgabe unterliegen. Die Abgabe betrug 10 % vom Bruttoertrag. Diese Abgabe berief sich auf das Regulativ von 1785 mit dem 150 Jahren vorher alles angefangen hatte.

 

1936 kam es dann zur Trennung der Imker und der Gartenbauer. Die Bienenzüchter wurden der Fachschaft der Imker angeschlossen, und der Gartenbau wurde eigenständig weitergeführt. Dadurch stand einem Beitritt in den Landesverband nichts mehr im Wege. Dieser Schritt wurde dann im Jahr 1941 mit der Eintragung in das Vereinsregister vollzogen.

 

1937 kam es in Burgbernheim zu einer weiteren Besonderheit. Den Gemeinde-Obstbaumwart. Dieser hatte die Befugnisse eines Ortspolizisten. Aber so toll muss das nicht gewesen sein, denn für 40 Pfennig in der Stunde hat sich Herr Wurm, so hieß der Mann, nach 5 Monaten wieder verabschiedet. Die Stelle wurde auch nie wieder besetzt.

Im Jahr 1941 bot uns die Obstverwertungsgenossenschaft Uffenheim an, den  Langskeller zu kaufen. Die Obstverwertungsgenossenschaft war damals in der  Auflösung begriffen. Ab 1943 wurde das Burgbernheimer Obst von unseren  Mitgliedern im Langskeller eingelagert. Heute dient der Langskeller immer noch einem solchen Zweck, nur die Ware ist etwas anders.

 

Der 2. Weltkrieg brachte wiederum alles zum Erliegen. Danach mussten auf Anordnung des Landratsamtes Kleingärten für die Vertriebenen und Evakuierten des Krieges geschaffen werden. Dazu pachtete man am heutigen Landschaftsee Grundstücke, teilte sie in Parzellen auf, und verteilte sie an die Neubürger. Als die Mitgliedersperre 1947 im Rahmen der Entnazifizierung, aufgehoben wurde, zählte der Verein 188 Mitglieder. Er wuchs erfreulicherweise weiter.

Arbeiten am Langskeller 2013

Weitere Gerätschaften wie 2 Mostpressen, Gartenhäcksler und eine Rückenspritze wurden in den folgenden Jahren angeschafft. Später folgten Motorsäge, eine Feldspritze und eine Packenpresse.

 

Die letzte Obstbaumzählung fand 1965 statt. Es wurden in der Gemeinde Burgbernheim 10 verschiedene Sorten festgehalten. Mit sage und schreibe 29 996 Obstbäumen als Gesamtbaumzahl.

 

1970 wurde Georg Thorwart zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er war wohl mit seinen 34 Dienstjahren der längstgediente Vorstand in den 140 Jahren. Unter seiner Führung blühte die Versteigerung der Kirschen am Prösselbuck richtig auf, bis uns das Bekämpfen der Kirschfruchtfliege verboten wurde. Unser Dauerproblem in der Anlage. Der Absatz ging innerhalb von 2 Jahren auf 0 zurück.

 

Durch den heißen Sommer des Jahr 2003 gingen uns am Prösselbuck über 70 Kirschbäume ein. Mit der Mithilfe der Burgbernheimer konnten wir die Lücke im Herbst 2004 mit 69 neuen Bäumen wieder schließen.

 

Ein weiteres Problem stellen importierte Lebensmittel dar, vor allem Saftkonzentrat usw. treiben die Preise in den Keller. Die Wenigsten bücken sich noch nach Obst, wenn es aus China, Neuseeland usw. zu Schleuderpreisen bei den Discountern liegt. Seit geraumer Zeit halten wir dagegen und bringen mit dem Bag in Box einen Teil des Streuobstes unter die Leute. Wir unterstützen und sammeln Streuobst für die Streuobstgenossenschaft Mittelfranken West eG, die daraus Säfte, Schorlen und Seccos herstellen lässt und regional vermarktet.

Auch der alte Brauch des Osterbrunnen-Schmückens wurde wieder aufgegriffen und ist jedes Jahr am Marktplatzbrunnen zu bewundern.

 

Das Angebot an unsere 210 Mitglieder reicht von Baumschnittkursen und Fachlehrfahrten bis hin zu monatlicher Beratung durch den Gartenratgeber. Ferner wird das Ortsbild alle zwei Jahre mit seinem Blumenschmuck bewertet, und die herausragenden Balkone und Gärten prämiert.

 

So sind wir nun im Heute angelangt. Auch wenn man manchmal gefragt wird – Was nützt mir denn der Gartenbauverein? Die Geschichte zeigt, dass wir immer gebraucht werden!

Geschmückter Marktplatzbrunnen